Das Mühlentor ist das einzige Tor der Stadt mit gleich vier Namen – Mühlen-, Hafen-, Wasser- und Wappentor – und, was noch außergewöhnlicher ist, das einzige erhaltene städtische Wassertor in Polen. Einer seiner Namen geht auf die Mühle zurück, die im 13. Jahrhundert am Mühlenkanal errichtet wurde. Seit Jahrhunderten ist das Tor eines der Wahrzeichen Stargards und erscheint auf den Stadtwappen und Siegeln sowie auf zahlreichen Postkarten und Grafiken.
Seine Geschichte reicht bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Damals wurden zu beiden Seiten der Ina zwei achteckige Türme errichtet und durch eine über dem Flussbett schwebende Konstruktion miteinander verbunden. Sie werden von hohen Kegeldächern und Zinnenkränzen bekrönt. Zwischen ihnen befand sich außerdem eine mit Zinnen versehene Mauer, auf der jahrelang das Bild eines Greifen prangte, der auch im Stargarder Wappen erscheint. Im Laufe der Jahrhunderte erfüllte das Bauwerk viele Aufgaben – hier befanden sich eine Zollstelle, eine Börse, der Sitz des Marktaufsehers und sogar ein Arrest.
Die meisten Geheimnisse bergen jedoch die charakteristischen Ketten, die an beiden Seiten der Türme herabhängen. Ihr Zweck ist bis heute ungeklärt, und örtliche Legenden schreiben ihnen verschiedene Bedeutungen zu. Sie sollen die Zahl der Stimmen Stargards auf den Hansetagen symbolisiert, an den Sieg der Stadt über Stettin im sogenannten Weizenkrieg erinnert oder zum Aufhängen von Laternen gedient haben, die den Hafen beleuchteten. Unabhängig von ihrer ursprünglichen Funktion sind die Ketten zu einem untrennbaren Bestandteil des Erscheinungsbildes des Tores geworden.
